Nur Eck weg? Ein vorübergehendes Fazit

Die Presse hat Recht. Sie tut gut daran, die ‚Tierschutzpartei‘ auch weiterhin zu ignorieren. Schlecht für mögliche WählerInnen und InteressentInnen, gut für die Tatsache, dass Satire nicht in die aktuellen Meldungen gehört. Wenn Markus Kampa in den Tierschutznachrichten „Fellbeißer“ titelt, „Europa-Abgeordneter tritt aus Satirepartei aus“, hat er natürlich Recht. Die ‚Tierschutzpartei‘ hat mittlerweile mehr Satirepotential als die Satirepartei ‚Die Partei‘ selbst. Herr Sonneborn, bitte übernehmen Sie!

Die Presse hat unrecht. So lange die Medien nur alles begleitet, was viel und prominent ist, kann ein pseudopolitisches Konglomerat die ‚Tierschutzpartei‘ unter dem journalistischen Radar tun und lassen, was es möchte. Parteiengesetz? Nie gehört, besser, gehört ignoriert und gebeugt nach HausherrInnenart. Demokratie und freie Meinungsäußerung, gar eine innerparteiliche kritische Diskussion? Warum? Meineid bei der Bewerbung zur Europawahl-Teilnahme? Warum nicht? Es interessiert doch keinen. Wählerbetrug. Mitgliederbetrug. Wen juckt es denn?

buvo-heissluft„Eck muss weg!“ – verteilten die mundtot gemachten, mit Parteiausschlussverfahren überzogenen und aus den Ämtern gejagten Mitglieder des Berliner Landesvorstand, vor denen Eck und seine GehilfInnen so viel Angst hatten, dass sie sogar mit einem Hausverbot belegt wurden. Heute haben die gleichen Gestalten alles schon gewusst und endlich den Autokraten vom Hals. Verlogener geht es nicht.

Über die Jahre sind viele kreative, kritische, aber dadurch auch demokratische und in den meisten Fällen auch kompetente Mitglieder der Partei verloren gegangen, willfährige Mitläufer, finanziell Abhängige, durch Pöstchen gekaufte ein eine winzige Minderheit Aufrechter füllten alle vakanten Posten. Teils unter Umgehung der eigenen Satzung.

Um begangenes Unrecht zu kaschieren und durch rückwirkende Maßnahmen ‚heilend‘ zu legalisieren, durften alle Vorständler plötzlich nachträglich Aufwandsentschädigungen geltend machen. Bei vielen ging das nicht, da sie bereits satzungswidrig Gelder bezogen hatten. Andere besonders eifrige Mitläufer durften Kasse machen, andere, eher unbequeme Geister mit dem gleich Anrecht (!) gingen – wie nicht anders zu erwarten – leer aus. Bezahlt wurde das alles von den in der Masse ebenso ahnungslosen wie harmoniebedürftigen Mitglieder durch deren Beiträge und Spenden. Und mit Steuergeldern aus Wahlkampfkosten-Erstattungen.

Ebenso wie das in einem klassischen In-Sich-Geschäft rechtswidrig zustande gekommene Gehalt des Stefan Eck als ‚Chefredakteur‘. Oder wie die zahlreichen Prozesse, die entweder verloren gingen oder dank wohlmeinender Beklagter in einem immer noch teuren Vergleich mündeten. Ebenso wie die Erstellung hoffnungslos überteuerter Webseiten durch die Firma des Ehegatten einer ehemaligen Stellvertretenden Vorsitzenden. Und so weiter und so fort.

Drei Parteitage in Serie wurden so stichhaltig angefochten, dass alle Beschlüsse aufgehoben werden mussten. Weil der Bundesvorstand komplett versagte. Nicht, weil ‚Störer‘ die Partei schädigen wollten. Ein Lümmel, der auch jetzt noch im Bundesvorstand sein inkompetentes Unwesen treibt, mutmaßte sogar, dass die Kritiker innerhalb der ‚Tierschutzpartei‘ von DER Fleischindustrie bezahlt sein könnten. Kein Einzelfall. Symptomatisch.

Alles alte Kamellen? Vordergründig ja. Aber was ist denn zu erwarten von einem Vorstandsklüngel, in dessen Reihen eine nicht nennenswerte Minderheit mit politischen Grundkenntnissen und demokratischer Einstellung nur ein Bruchteil der Positionen ausfüllen kann? Wo sollen denn die Selbstheilungskräfte her kommen?

Eck IST weg. Mit ihm aber auch der Ruhm einer ersten ‚Tierschutzpartei‘ mit einem Europaparlamentarier in ihren Reihen. MEP Eck hat neue Mitglieder ‚gezogen‘. MEP Eck sorgte für Presse, die als Fußnote die ‚Tierschutzpartei‘ wenigstens erwähnte. MEP Eck hatte, um dieses sehr private Ziel zu erreichen, über Jahre eine Partei geplündert, Unfrieden gesät, ein Spitzelsystem geschaffen („meine Maulwürfe…“), Mobbing betrieben, Zensur ausgeübt, Meinung unterdrückt, Kritiker verleumdet – und mit diesem Verhalten nicht nur ’seine‘ Parteimitglieder belogen und betrogen, sondern auch Wähler und Tierschützer, Steuerzahler, Interessierte, kurz, alle, die sich jemals mit der ‚Tierschutzpartei‘ auseinandergesetzt haben. Eine Verbindung Europaparlament – ‚Tierschutzpartei‘ gibt es nicht mehr. Zurück bleibt eine zutiefst verunsicherte Mitgliedschaft ohne Führung, die sich aufzulösen beginnt.

Aber Stefan Eck war bei allem, was die ‚Tierschutzpartei‘ zu zerstören beginnt, nicht allein – und das wird allzu schnell vergessen. Damit Eck all das vollziehen konnte, was er vollzog, bedurfte es einem breit aufgestellten System von Helferlein, die willfährig und kritiklos der Stimme ihres Herren folgte bis zur absoluten Selbstaufgabe. Ja, ein paar von denen haben mit der Oberratte das sinkende Schiff verlassen. Aber ein großer Teil ist noch immer da. Noch immer an den Hebeln der ‚Macht‘. Aber wie mit Geisterhand mutierten die besonders üblen Mitläufer plötzlich zu denen, die es am längsten vorher gewusst haben wollen. Das ist noch viel ekliger als das, was Autokrat Eck auch vorher schon in Vereinen betrieben hat.

Diese aktiven Mitläufer, Mitmobber, Mitzensierer, Mitunterdrücker tischen nun den immer weniger Interessierten auf, dass nach Eck nun endlich durchgeatmet werden könne, alles besser werden würde und es jetzt nur noch um das Wohl der Tiere gehen würde. Wer über diese Brücke gehen möchte, hat den Knall nicht gehört. Aber Scham? Reue? Ein Anerkennen ihrer Mitschuld am Absturz der Partei? Rücktritt ohne Austritt, um neue, unverbrauchte, unverbrannte Mitglieder aufzubauen und zu unterstützen für einen echten Neuanfang? Hilfe bei der Umwandlung dieses Konglomerats aus VereinsmeierInnen, TierrechtlerInnen, StreicheltierschützInnen und Karteileichen in eine politisch denkende und handelnde Partei, die diese Bezeichnung auch verdient? Wird es nicht geben.

All die kleinen und großen Diktatoren und Autokraten dieser Welt konnten nur den Schaden anrichten, den sie anrichteten, wenn ihnen eine skrupellose, von Eigeninteresse getriebene  Schar willfähriger HelferInnen mit zynischer Machtausübung den Weg bereiteten. Sie waren nie Einzeltäter. Weder Tier noch Mensch noch Umwelt können das rechtfertigen. Wer etwas anderes meint, spielt denen in die Hände, die Tier, Mensch und Umwelt ausbeuten zu Gunsten von Macht und Profit. Das Wohl unserer Mitgeschöpfe ist in den Fängen einer solchen ‚Partei‘ denkbar schlecht aufgehoben.

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