Schleudersitze

ruecktritt-molitorSchleudersitze waren sind ein beliebtes Ausstattungsmerkmal innerhalb der Vorstände der ‚Tierschutzpartei‘. Diesmal katapultierte sich der nun ehemalige Bundesschriftführer Alexander M. aus dem
Bundesvorstand. Eine Erklärung hierzu findet sich auf Facebook. Da die Redaktion nie sicher sein kann, welche Lebensdauer Verlautbarungen in, aus und über die ‚Tierschutzpartei‘ haben, wurde neben dem Link (https://www.facebook.com/alexander.molitor.1/posts/659424850828225?pnref=story) auch ein Screenshot beigefügt:

 

Alexander M.
30. Mai um 14:09 ·

Stellungnahme zum Rücktritt vom Amt des Bundesschriftführers der Partei Mensch Umwelt Tierschutz:

Ich habe gegenüber dem Bundesvorstand meinen Rücktritt mit sofortiger Wirkung von allen Parteiämtern erklärt, was ich auch an dieser Stelle kurz begründen möchte.

Zu meinem Bedauern sehe ich, aufgrund entscheidender Differenzen innerhalb des Bundesvorstandes bezüglich der grundsätzlichen politischen Ausrichtung und der Beurteilung konkreten politischen Handelns, keine ausreichende Grundlage für eine weitere Zusammenarbeit.

Ich wünsche der Partei Mensch Umwelt Tierschutz, den Mitgliedern des Bundesvorstandes, den Mitgliedern der Landesvorstände und allen Parteimitgliedern alles Gute und eine positive politische Entwicklung und Erneuerung der Partei.

Allerdings ist es mir nicht möglich mehrheitliche Kräfte innerhalb der Partei zu erkennen, die eine zielführende, konstruktive und progressive Entwicklung einleiten und befördern.

Zumindest meiner persönlichen Wahrnehmung nach, ist zu einem nicht unerheblichen Teil ein gegenteiliges Wirken und mangelndes innerparteiliches Problembewusstsein zu erkennen, u. a. bezüglich der tatsächlichen öffentlichen Wirkung individuellen und kollektiven Agierens, welches der überaus wichtigen und komplexen Aufgabe der grundsätzlichen Veränderung des Mensch-Tier-Verhältnisses und einer insgesamt fortschrittlichen, aufgeklärten Politik und deren konsistenten Umsetzung nicht gerecht wird oder abträglich ist.

Eine ausreichende Identifikation mit der Partei und eine weitere aktive Unterstützung ist mir so nicht möglich.

Die ebenfalls ehemalige Bundesvorsitzende Barbara N. kommentiert dies, ebenfalls auf Facebook, so:

Wieder ein schlauer Kopf, der die Partei verlässt. Die Partei ist wichtig, aber die derzeitigen Bundesvorstandsmitglieder sind leider weitgehend inkompetent.

Obwohl die Redaktion die Einschätzung, dass diese ‚Partei‘ wichtig sei, nicht teilt, ist der Hinweis darauf, dass ‚die derzeitigen Mitglieder des Bundesvorstands weitgehend inkompetent sind, nachvollziehbar.

molitor-buvo_01-05-2015Nach dem weitestgehend kopflosen agieren des Bundesvorstands ist es nur noch eine Frage der Zeit, wann auch die letzten kompetenten Vorständler das Handtuch werfen – schon allein zum Schutz der eigenen Glaubwürdigkeit und dem Ansehen im persönlichen und beruflichen Umfeld.

Dass es innerhalb der ‚Tierschutzpartei‘ nicht darum geht, Kompetenz, Kreativität und Sachwissen außerhalb des einzigen halbwegs ernsthaft verfolgten Themenbereichs ‚Tierschutz‘ (monothematische Ausrichtung) innerhalb der Landesvorstände zu fördern, sondern Loyalität zum Bundesvorstand, bewiesen die letzten Wahlen zu Landesvorständen in aller Deutlichkeit. Auch hier hat der Bundesvorstand offenbar wählen lassen nach der Vorgabe, dass die politische Ausrichtung (die Abgrenzung nach ‚Rechts‘ ist reines Lippenbekenntnis) die Befähigung zur Ausübung eines Amtes weniger zählt als Linientreue.

Hier muss allerdings erwähnt werden, dass der ‚Partei‘ langsam aber sicher Kompetenz in politischer Arbeit und Vielfalt der Kompetenzbereiche auszugehen drohen. Der ‚Brain-Drain‘ der vergangenen Jahre setzt sich weiter fort getreu dem von einem der ehemaligen Bundesvorsitzenden Stefan. B. Eck gelebten Motto:

„Egal, wie viele die Partei verlassen und wer das ist, solange die Störer sind endlich weg sind!“

Wer mit Störer gemeint ist, ist und bleibt aktuell: Kritiker, Mahner, Kreative, die dem ‚herrschenden‘ Bundesvorstand zu nahe treten (also Konkurrenz werden könnten) und Mitglieder, denen der Tierschutz zwar wichtig ist, deren Sachkompetenzen aber in anderen, ebenfalls wichtigen Bereichen liegen. Wer nicht vegan lebt oder sich zumindest vegan ernährt, soll möglichst kein Amt bekleiden dürfen und ist bei kritischer Hinterfragung fundamentalistischer Grundforderungen schnell Opfer von massivem Mobbing und der parteiinternen Bloßstellung als moralisch fragwürdig ausgesetzt.

Ein Großteil der Mitglieder ist durchaus integer und von ehrlich empfundenen Tierschutzgedanken geprägt, aber darüber hinaus leider weitestgehend unpolitisch und dadurch allzu oft manipulierbar durch das Schlagwort, dass alles zu akzeptieren sei, wenn es den Tieren hilft.

Unvergessen der ‚Schlachtruf‘ einer Landesvorständlerin auf dem 32. Bundesparteitag, als es zum Ringen um Paragraphen der Bundessatzung kam, die dem Bundesvorstand zu weit reichende Rechte gegenüber den in ihren Rechten beschnittenen Mitgliedern in Sachen Schiedsgerichtsbarkeit kam:

„Was sollen diese überflüssige Diskussionen und Haarspaltereien um Sätze und Worte. Das brauchen wir nicht. Wir sind hier, weil wir den Tieren helfen wollen. Lasst uns aufhören mit der Streiterei und lasst uns endlich wieder raus gehen und Tiere retten!“

Eine weise Aussage. Raus aus dieser Partei und rein in die Vereine, um aktiven Tierschutz zu betreiben. Politische Arbeit, die den Tierschutz in einer Partei, die breit aufgestellt, demokratisch, transparent und offen für alle Themen, die die Menschen, die Wähler tatsächlich interessieren, sieht anders aus. Wer innerhalb der Politik dem Tierschutz zu dem Ansehen und der Akzeptanz verhelfen möchte, den dieser dringend benötigt, muss dies in einer Institution tun, die der politischen Willensbildung dient. In einer Partei. Einer ohne Anführungszeichen. Und hiervon war die ‚Partei Mensch Umwelt Tierschutz noch nie weiter entfernt in ihrer bald 21jährigen Geschichte.

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Veröffentlicht in Aktuelles
One comment on “Schleudersitze
  1. […] dilletantische PR-Supergaus wie der Posse um das Riesenrad in Düsseldorf (siehe Artikel ‘Dilletantenstadl Düsseldorf‘), alle Mittel erscheinen recht. Wenn es aber zum Rohrkrepierer kommt, verklären und […]

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